Schau nicht weg – schau hin!

Erste-Hilfe-Initiative von dpd DRIVER’S RADIO 

Alle zwei bis drei Stunden stirbt ein Mensch auf Deutschlands Straßen - auch, weil immer noch zu viele potentielle Ersthelfer einfach weiterfahren. Einer der häufigsten Gründe: die Angst, etwas falsch zu machen.

Mit unserer bundesweiten Initiative „Schau nicht weg – schau hin!“ wollen wir von dpd DRIVER’S RADIO aufrütteln, unser Wissen auffrischen und gemeinsam mit euch Leben retten.

Was ist im Notfall wichtig? Warum ist gerade die Erste Hilfe so entscheidend?

Unsere Experten geben euch im Programm von dpd DRIVER’S RADIO, online, bei Facebook und Instagram einen Überblick und Sicherheit, damit ihr im entscheidenden Moment wisst, was zu tun ist. Wir sprechen mit Rettern und Betroffenen und wollen euch ermutigen auch andere zu ermutigen!

Gemeinsam sorgen wir dafür, dass wir uns mit einem noch sichereren Gefühl hinters Lenkrad setzen können. Mit dem Gefühl, alles richtig zu machen, wenn andere DRIVER in Not sind.

Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Thema Erste Hilfe im Straßenverkehr gemacht? Schickt uns gern eine WhatsApp-Sprachnachricht:

Erste Hilfe ist Pflicht!

Auch wenn den meisten Menschen bewusst ist, dass brenzliche Situationen Hilfe erfordern, verfallen Unfallzeugen oft in eine Art Schockstarre und wissen gar nicht wissen, wie sie sich am besten verhalten sollen. Häufig haben Ersthelfer Angst, etwas falsch zu machen und scheuen sich, anzupacken.

Hier gilt die Devise: Zivilcourage ist nie zu viel Courage! Jeder von uns ist verpflichtet, erste Hilfe zu leisten, ganz unabhängig davon, ob ein Erste-Hilfe-Kurs gemacht wurde, oder nicht.

Aber keine Sorge, falsch machen kann man im Grunde nichts. Mit etwas gesundem Menschenverstand kann schon viel geleistet werden. Bereits das Betreuen und Beruhigen einer verunfallten Person kann sehr viel wert sein, um die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungswagens zu überbrücken.

Keine Strafe für "falsche" Erste Hilfe

Die Angst für falsches Helfen sogar bestraft zu werden ist dabei unbegründet. Natürlich sollte niemand über das Ziel hinausschießen und Eingriffe am Körper vornehmen, aber: "Selbst ohne einen Erste-Hilfe-Kurs bin ich dazu verpflichtet zu helfen", sagt Kai Rath, Ausbildungsleiter des DRK in Kiel.

Regelmäßige Auffrischungen sind daher wünschenswert und helfen im Ernstfall, richtig zu reagieren. Angst vor falschen Handgriffen ist fehl am Platz:

"Das einzige wofür wir bestraft werden können ist Unterlassung, also wenn wir gar nichts tun. Aber in Deutschland jemanden zu verklagen, weil er etwas falsch gemacht hat, das ist verdammt schwer." - DRK-Ausbildungsleiter Kai Rath

Angst vorm Helfen? So werdet ihr sie los!

Die Angst vorm Anpacken und die Scheu, selbst aktiv zu werden ist oft sehr präsent und schwer zu überwinden. In Stresssituationen muss man sich immer wieder bewusst machen, dass der größte Schaden nur durch das Unterlassen entsteht. Indem konkret angepackt, die verunfallte Person eingebunden und angesprochen wird, kann diese Angst überwunden werden.

Besonders wenn mehrere Menschen in der Nähe sind und man sich überfordert fühlt, kann es helfen, nicht nur nach Hilfe zu rufen, sondern Umstehende konkret anzusprechen und Aufgaben zu verteilen. Björn Schwarz-Binhold ist Allgemeinmediziner in einer Gemeinschaftspraxis in Stade, er weiß, wie man Umstehende im Falle eines Unfalls richtig einbindet und zur Zivilcourage auffordert:

Gerade die Hilfe zur Selbsthilfe ist in brenzligen Situationen wichtig, da ein Rettungswagen im Durschnitt 15 Minuten braucht, um am Unfallort anzukommen ist in der Überbrückungszeit die Hilfe der Zivilbevölkerung gefragt. Auf keinen Fall sollte auf den Rettungswagen gewartet werden, bevor gehandelt wird.

Um schnell dafür zu sorgen, dass professionelle Hilfe zur Stelle ist, ist es wichtig, zeitnah einen Notruf abzusetzen. Auch hier schleicht sich bei Zeugen an einer Unfallstelle oft eine Unsicherheit ein – Kai Rath räumt mit dieser Unsicherheit auf und erklärt, warum bei einem Unfall die 112 die schnellste und beste Lösung ist.

Unfallstellen absichern – so geht’s richtig!

Um nach einem Unfall Folgeunfälle zu vermeiden und auch den Eigenschutz zu gewährleisten, sollte die Unfallstelle immer erst gesichert werden.

Wer Zeuge eines Unfalls wird, muss also in jedem Falle die Unfallstelle absichern, bevor er sich den Verletzten widmet. Kai Rath weiß, was beim Absichern unbedingt beachten werden muss:

Auch das Warndreieck sorgt immer wieder für Verwirrung bei viele DRIVERN. Oftmals werden Warndreiecke direkt vor dem PKW abgestellt, hier ist es besonders wichtig, den entsprechenden Abstand einzuhalten, um nahende Verkehrsteilnehmende frühzeitig über die Gefahrenstelle zu informieren – in der Stadt ist eine Entfernung von 50m, auf Landstraßen 100m und auf Autobahnen ca. 200m zu empfehlen. Zum Abschätzen der Entfernung können Autofahrer sich an den Leitpfosten am Straßenrand orientieren.

Reanimieren – warum man keine Zeit verlieren darf

Häufig sorgen Unfälle im Straßenverkehr dafür, dass die Insassen des verunfallten Fahrzeugs nicht mehr bei Bewusstsein sind. In diesem Falle ist es sehr wichtig, dass die Atmung und der Puls weder beim Unfallopfer noch beim Ersthelfer aussetzen. Atmung und Puls dürfen nicht aussetzen. Wenn Atmung und Puls aussetzen und das Herz stillsteht, findet keine Blutzirkulation statt und die Organe sind nicht mehr durchblutet. Nach drei bis fünf Minuten können beim Gehirn unwiderrufliche Schäden auftreten.

Um ein stillstehendes Herz wieder in Gang zu bringen und bleibende Schäden zu vermeiden, sollte zeitnah mit einer Reanimation gestartet werden – im Zweifelsfall auch ohne zuvor akribisch Puls und Atmung zu prüfen. Wer schlecht aussieht, nicht ansprechbar ist und auch nach einer Ohrfeige nicht zu Bewusstsein kommt, muss reanimiert werden, ohne Zeit zu verlieren. Allgemeinmediziner Björn Schwarz-Binhold erklärt, warum schnelles Reanimieren Leben retten kann:

Um eine Reanimation schnell und vor allem effektiv durchzuführen, ist ein sicheres, beherztes Vorgehen notwendig. Björn Schwarz-Binhold fasst zusammen, wie eine gute Reanimation abläuft:

Blutungen stoppen – geht auch ohne Kompresse!

Bei Unfällen im Straßenverkehr ist es nicht selten der Fall, dass Wunden entstehen und Blut fließt. Hier ist es ebenfalls besonders wichtig, Anzupacken und starke Blutungen zu stillen. Manchmal ist es mit einem Pflaster getan, manchmal sind stärkere Maßnahmen notwendig. Um die Blutung zu stillen, eignet sich am besten ein steriles Verbandsmittel. Im Ernstfall ist dieses häufig nicht direkt in greifbarer Nähe. Bevor Verunfallte zu viel Blut verlieren, muss also im Zweifelsfall improvisiert werden, auch Tücher oder Kleidungsstücke können helfen, falls kein Verbandskasten zugegen ist. Allerdings hat jedes Auto im Straßenverkehr einen Verbandskasten, auch hier können Umstehende Zeugen direkt aufgefordert werden, einen Verbandskasten zu besorgen.

Bei einem starken Blutverlust können Kreislaufdepressionen die Folge sein, bei einem Liter Blutverlust kann der Kreislaufzustand kritisch werden. Die Menge des Blutverlustes ist allerdings von außen nicht sichtbar, deshalb sollten Blutungen direkt gestillt werden.

Um Blutungen zu stoppen, kann ein Druckverband helfen. Björn Schwarz-Binhold klärt auf, was ein Druckverband ist und wie man sich im Ernstfall auch ohne Kompressen helfen kann:

„Gaffen“ kann schwere Folgen haben

Sobald ein Unfall geschehen ist, ist nicht selten die Neugierde der Menschen geweckt. Sogenannte Gaffer erschweren den Verkehr und behindern die Rettungskräfte. Diese zücken nicht selten ihre Handys um Videos oder Fotos vom Unfallgeschehen anzufertigen dabei können anhaltende, bremsende Fahrzeugführer sogar für Folgeunfälle sorgen.

Um unschöne Behinderungen der Einsatzkräfte und sogar Gefahrensituationen zu vermeiden, hat der Ausbildungsleiter an alle Autofahrer, die an einer Unfallstelle vorbeifahren müssen, eine Bitte:

Hilfe bei Motorradunfällen – und wohin mit dem Helm?

Gerade während warmer Sommertage sind viele Motorräder auf den Straßen unterwegs. Die einen vorsichtig, anderen weniger. Wenn Motorradfahrer stürzen und an einem Unfall beteiligt sind, muss man leider oft von schweren Verletzungen ausgehen. Besonders der Helm sorgt hier oft für Verwirrungen auf Seiten der Ersthelfer. Wie bei jedem anderen Unfall muss zunächst die Unfallstelle abgesichert werden. Wenn der Motorradfahrer nicht ansprechbar ist, muss der Helm unbedingt runter vom Kopf, um Atmung und Co zu kontrollieren. Auch hier gilt: man kann nichts falsch machen! Sobald der Motorradfahrer zum Stehen gekommen ist, hat der Helm seinen dienst getan.

Wie genau man beim Helmabnehmen vorgeht und warum der Kopf des Verunfallten gerade liegengelassen werden sollte, weiß Ausbildungsleiter Kai Rath:

Schlaganfall und Herzinfarkt – Symptome erkennen und zeitnah reagieren!

Wann immer bei Erster Hilfe ein Schlaganfall oder Herzinfarkt in Betracht kommt, kann es sich um einen lebensbedrohlichen Notfall handeln. Diesen Unfallopfern muss schnellstmöglich geholfen werden. Ein Schlaganfall ist eine Durchblutungsstörung des Gehirns, während ein Herzinfarkt eine Durchblutungsstörung des Herzens ist. Typische Symptome eines Herzinfarktes sind Schmerzen und Druck auf der Brust, Luftnot, Oberbauchschmerzen, Kaltschweißigkeit, eine schlechte Hautfarbe, oder ausstrahlende Schmerzen in den linken Arm und den Kiefer.

Symptome eines Schlaganfalls sind neben banalen Symptomen wie Kopfschmerzen vor allem Wesensveränderungen, Veränderungen der Motorik, des Feingefühls und der Sprache.

Um einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt zu erkennen, bleibt wenig Zeit. Bei kleineren Anzeichen sollte innerhalb von kürzester Zeit gehandelt werden. Wieviel Zeit habe ich solche Situationen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erkennen und darauf zu reagieren?

Um schnell professionelle Hilfe zu erhalten, sollte bei Anzeichen umgehend der Rettungsdienst gerufen werden. Auch hier kann man nichts falsch machen, die Zuständigen beim Notruf stellen viele Fragen und erkennen anhand von bestimmten Signalworten die Lage und schätzen sie dementsprechend ein.

Die stabile Seitenlage – warum sie so wichtig ist!

Das Thema „Stabile Seitenlage“ ist zwar den meisten ein Begriff, im Ernstfall ist oft nicht klar, wie sie eigentlich geht. Ist jemand bewusstlos oder stark verwirrt, kann aber noch selbständig atmen, ist die stabile Seitenlage die sicherste Lagerungsposition. Sie dient dazu, den Bewusstlosen Menschen davor zu schützen, am eigenen Erbrochenen zu ersticken oder spätere Komplikationen wie Lungenentzündungen zu erleiden.

Für die stabile Seitenlage gilt: Besonders die seitliche Position ist essenziell – ein Bein sollte angewinkelt sein, der Kopf sollte der tiefste Punkt sein. Ob der Winkel der Beine perfekt sitzt oder nicht, ist zweitrangig. Sobald die bewusstlose Person auf der Seite liegt und in dieser Position bleibt, hat man es richtig gemacht. Um eine Routine im Ablauf zu erhalten, ist eine regelmäßige Auffrischung des Erste-Hilfe-Kurses wichtig.

In Bezug auf Unfallopfer, die unter Schock stehen und nicht richtig mitmachen können oder wollen hat Kai Rath noch ein paar Verhaltensregeln für die Ersthelfer parat:

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